Mittwoch, 17. Juni 2015

Nostalgie - oder: "Früher war alles Nokia"





Liebe Freunde, ob on- oder offline,


heute ist ein schwarzer Tag für mich. 

Nach einem schweren Sturz im Supermarkt hat es noch Stunden gedauert. Ein erbitterter Kampf gegen die Verletzungen, der leider nun verloren ging. Zu früh muss ich nun "Leb' wohl" sagen zu etwas, was mich tagtäglich begleitet hat. Mein Leben hat sich darin widergespiegelt und alles, was ich bin, hatte hier einen warmen Ort zum Abspeichern. Ich habe heute verloren, was mir am teuersten ist - wortwörtlich. Mein Smartphone hat den Geist aufgegeben.

Früher war dein Nokia Knochen zwar nicht in der Lage, witzige Emojis zu versenden. Allerdings hätte ein Nokia 3210 theoretisch die Apokalypse überstehen können, so unkaputtbar war und ist das Teil. (Jap, ich habe immernoch so eine Antiquität zu Hause... nur für alle Fälle...)

Für alle Menschenkinder, die erst ab den neuen Millenium das Licht der Welt erblickt haben: Ein Nokia Knochen ist ein Handy, ohne Smart und ohne Touch Screen, dafür mit Knöpfen, auf denen man selbstständig noch das geschriebene Wort eintippen musste, meist ohne T9 System, weil das eh nur Grütze produziert hat, also seine Gedanken sorgfältig, Buchstabe für Buchstabe, einzeln zu Worten zusammensetzen musste. Ja, Rechtschreibung war da noch Standard und wurde mit der Kunstfertigkeit verbunden, wie man es wohl fertig bringt, alles in nur 121 Zeichen auszudrücken, was man sagen wollte, weil sonst die SMS erschöpft war. A propos: SMS Speicher von ganzen zwölf Nachrichten, wenn der voll war, kam nix mehr rein und die Nachricht verschwand in den Weiten des Telekommunikationsuniversums und wart nie mehr gesehen. Statt "Angry Birds" haben die coolen Kids "Snake" gezockt und als dann der Farbdisplay eingeführt wurde, stand die Welt Kopf. "Snake II" war immernoch scheiße.

Hach, manchmal vermisse ich diese Zeit, wo man nicht darauf achten musste, sein Ladekabel mitzunehmen, wenn man irgendwo übernachtete. Man konnte sogar früher ein viertägiges Festival besuchen und man wusste, das Handy schafft's ohne Mühe, den Akku aufrecht zu erhalten.

Gut, die mussten ja früher auch nicht so viel leisten, im Gegensatz zu Ihren smarten Kollegen. Die haben die lebenserhaltende Aufgabe, uns ständig darüber informiert zu halten, was Weltbewegendes auf Facebook passiert, wer wann Geburtstag hat, parallel dazu bitte noch die 1034 Bilder (meist Selfies) von What's App Nachrichten abzurufen und zu speichern und lustige Videos streamen zu können.

Aber es geht mir nun mal etwas gegen den Strich, ein sogenanntes Smartphone wie ein rohes Ei behandeln zu müssen, weil es bei jeden kleinen Pups sofort in die Brüche gehen kann. Ein Gebrauchsgegenstand mit der Lebenserwartung eines Hamsters verdient es einfach nicht, dass man bei seinem nächstbesseren Nachfolger vor dem jeweiligen Store kampiert, nur um einer der ersten zu sein, der so ein Mimosen-Handy sein Eigen nennen kann.

Ich gebe zu, auch ich finde es äußerst praktisch, meine Emails in Buxtehude zu checken und ich bin auch nicht von der Facebook Sucht befreit. Wirklich nicht.
Mich stört es allerdings wirklich, mich wieder mal zwischen dem Modell "Sauteuer S 5" und "iVolldieAbzocke 6" entscheiden zu müssen, mit dem Wissen, ja besser noch, mit der Garantie, dass dieses Ding nach zwei Jahren das Zeitliche segnet und ich wieder am gleichen emotionalen Tiefpunkt bin.

Tut mir leid. Ich bin bloß extrem leicht reizbar, wenn ich die 698 alten Nummern und Kontaktdaten in das neue Handy eintippen muss. Ein Drittel habe ich schon. Aber die Sonne steht schon verdammt tief und der Akku ist auch schon wieder fast leer.








"Das Glück liegt im Auge des Betrachters" - oder: Ein Wochenexperiment




Liebe Hobby-Pessimisten,


es ist Dienstag ich wurde von meiner lieben Kollegin zu dieser - ich nenne es mal "think positive"-Challenge nominiert, die seit geraumer Zeit auf Facebook kursiert und werde jetzt für eine Woche drei positive Dinge/Situationen/Menschen etc. auflisten, die mir am Tag passiert/begegnet sind.
Da ich mich eher Team "das-Glas-ist-halb-leer" zuordnen würde, wird dies eine schöne Aufgabe für die Woche und auch für danach werden. Meine Happy-go-lucky-Synapsen laufen auf Hochtouren und mein Blick für das Schöne und Positive im Leben wird geschärft auf den Alltag losgelassen.
Also, Glück auf!

Tag 1 - ein Feiertag

1. Die beste Mama der Welt hat heute Geburtstag. 
2. Die beste Mama der Welt backt weltbesten Kuchen, den wir im Kreise der weltbesten Familie verputzen. 
3. Bonus-Schlemmer-Runde am Abend: Mann-Familie genießt gutes Essen und gute Gesellschaft in Bamberg.

Ich bin sehr dankbar für meine Familie und wenn die Woche so weitergeht, wird diese Challenge gar nicht so schwierig, wie vielleicht vermutet. Obwohl: die Messlatte ist hoch angesetzt...
Nominiert wird heute keiner. Es ist schließlich schon spät und der Tag gehört immer noch dem Geburtstagskind.


Mittwoch
Ich will euch nicht mit dem Bürokram langweilen, den ich hinter mich gebracht habe, was mich natürlich auch glücklich macht, aber heute will ich meinen zweiten "Glückstag" nach dem Motto "zu viel des Guten (Kuchens) kann wunderbar sein" beschließen.

Tag 2 - Hüftgold ist eine sichere Wertanlage

1. Frühstück: Geburtstagskuchen von gestern und grüner Tee
2. Mittagessen: Couscoussalat und Geburtstagskuchen von gestern
3. Abendessen: lecker Vesper und Geburtstagskuchen von gestern

Nominiert wird von mir eine Herzensfreundin, Alltagsheldin und Foodfetischistin, weil sie - ebenso wie ich - genau weiß, wie glücklich gutes Essen macht.
Memo an mich: Morgen dringend (!) etwas ohne Essen finden!


Freitag, also eigentlich Donnerstag
Halbzeit im Glücklichsein! Meinen Bericht von gestern bin ich noch schuldig, also hier Biddeschööön!

Tag 3 - Ein Nachtrag

1. Frühsport gemacht und es fühlt sich super an!
Schweinehund 0 : Laura 1

2. Trotz Regenwetters einen schönen Tag gehabt. Außerdem riecht die Straße so gut, wenn es regnet.
3. Abends eine gute Probe gehabt, mit anschließendem Feierabend-Bierchen mit Kollegen.

Mal gucken, was der heutige Tag so bringt.
In diesem Sinne: Glück auf, auch heute!


Samstag, also eigentlich Freitag
Gestern durfte ich mich vor allem am Glück anderer erfreuen.

Tag 4 - Glück für alle!

1. Freitag - Wochenende - Sonnenschein
Besser geht's nicht! Beim Einkaufen merkt man die Lebenslust der Leute, die sich ihr schönstes Sommerkleidchen übergeworfen haben und Wassermelone und Grillkohle einmarkten. Alle sind freundlicher und ausgelassener. Warum nicht immer so?
2. Wir hatten eine sehr solide Wiederaufnahme vom "Zerbrochenen Krug" und meine wunderbare Kollegin hat ein tolles Debüt als Marthe hingelegt. Und das ohne wirkliche Proben - Chapeau!
3. Meine Schwester hat ein erstklassiges Ergebnis für eine Prüfung erhalten und einen weiteren wichtigen Grundstein für ihre Karriere als Grundschullehrerin gelegt. Das wurde mit Granatapfel Secco begossen.


Die Rechnung hier ist einfach:
1 x Glück = Glück
2 x Glück = Glücklicher


Sonntag, also eigentlich Samstag
"Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum". Sagte schon Nietzsche.


Tag 5 - Glück aus der Büchse (Musikedition)

1. The Prodigy zum Joggen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Und hoffentlich auch ein paar Extrakalorien.
2. Roald Dahls "Küsschen, Küsschen!" Hörbuch zur Mittagspause. (Ist jetzt streng genommen keine Musik, aber glücklich machen seine Geschichten trotzdem.)
3. Diese Powerhymne, die ich als mein Superhelden-Thema beanspruche, falls ich jemals beruflich umsatteln sollte. (An dieser Stelle auch einen lieben Gruß an meine Big Band Kollegen)



Der Sonntag meint es wörtlich, also genießt den Tag und denkt dran:
Sei immer du selbst. Außer du kannst Batman sein. Dann sei Batman!




Montag, also eigentlich Sonntag
Das Projekt "think positive - at least for one week" neigt sich langsam dem Ende. Vorletzter Nachbericht für diese Woche.

Tag 6 - Vor-/Während-/und Nachfreude

1. Vor(gestern) habe ich meinen Kurztrip mach London im September fix gebucht. Dort treffe ich meine ehemaligen Gasteltern aus den USA. Jolly good!
2. Während man ein köstliches vegetarisches Frühstück im herrlichsten Sonnenschein verspeist, lauscht und plauscht man mit einer guten Freundin, die man schon ewig nicht gesehen hat.
3. Nach einer intensiven Vorstellung (mit special guests) abends auf dem Balkon zu sitzen und sich bewusst zu sein, dass man genau das tut, was man beruflich immer tun wollte.
Plus: Meine Beine haben nach so viel Sonnenverwöhnung ENDLICH einen ganz leichten Teint bekommen. Von braun sind wir noch himmelweit entfernt, aber die kalkweiße Phase haben wir hinter uns.


Das Leben ist doch nicht so schlecht, nehme ich an.
In diesem Sinne: Euch allen einen glücklichen Start in die Woche!


Dienstag, also eigentlich Montag
Gestern war der letzte Tag dieses Glücksexperiments. Geschafft!
Versteht mich nicht falsch, ich finde diese Facebook-Challenges immer noch unnötig (und wehe, einer von euch lädt mich noch einmal dazu ein, Candy Crush Saga zu spielen!!), aber diese empfand ich gar nicht so als sinnfrei. Ich würde mich sogar dazu hinreißen lassen zu sagen, ich habe dabei echt etwas mitgenommen.

Tag 7 - Ein Fazit

Eine Woche Glück auf Rezept war eine schöne Sache, weil...

1. ... ich als Hobby-Pessimistin einen optimistischeren Blick auf die Dinge bekommen habe und ich mir diese Woche bewusst gemacht habe, was man alles hat und wie viel Glück darin steckt.
2. ... wenn man schon denkt, kann man auch gleich positiv denken.
3. ... täglich dreimal Glück den Alltag wirklich versüßt (jeweils nach dem Essen mit einem Schluck Wasser und nicht auf nüchternen Magen einzunehmen).

 
Wer sich diese Glückstherapie selbst verordnen möchte, dem stelle ich es sehr gerne frei, sich selbst dafür zu nominieren. (Wir sind ja schließlich schon alle erwachsene Leute...)


"Jeder ist seines Glückes Schmied." Ich werde das für die Zukunft öfter im Hinterkopf behalten und Augen und Ohren für mehr Glück im Alltag spitzen.
Glück auf! - heute und morgen






Montag, 4. Mai 2015

Mutter Courage / Eine Liebeserklärung - oder: "Merci, dass es Dich gibt"

 

 

Das geht raus an alle Mütter und die, die es noch werden wollen


Liebe Mutterbesitzer, (also Alle),


Es gibt wichtige Tage im Kalender, die man sich dick mit Rotstift anstreichen sollte. Dazu gehören Opas 80er Geburtstag, weil der nur einmal im Leben ansteht, Führerschein-bestanden-Tag, weil der optimalerweise nur einmal im Leben ansteht und Muttertag.

Ja, ich weiß, vor knapp drei Monaten noch Hasstiraden auf den armen Valentin prasseln lassen und jetzt Verfechter von alljährlicher Mutter Beweihräucherung. Aber im Gegensatz zu Schokoherzen macht ein liebes Wort an Muttern wirklich auch verdammt viel Sinn. Und warum? Weil sie es sich auch redlich verdient haben! Und zwar jeden Tag und nicht nur einmal im Jahr.

Zieht man mal kurz Bilanz, was Mama alles schon für dich getan hat und vor allem noch tun wird in deinem so hoffentlich langem Leben, dann ist eine halbherzige Grußkarte, "weil man das halt so macht", zwar nett gedacht, aber wohl eigentlich eher nicht mal der Rede wert.

Wenn man bedenkt, wie viele Geburtstagskuchen sie für dich gebacken hat, Pflaster auf deine geschundenen Knie geklebt hat, wie oft sie deine Tränen weggeküsst und deine Hand gehalten hat, als du laufen und lieben gelernt hast. Wie gerne sie sich für dich geschämt hat und mit Stolz geschwellter Brust "Ja!" zu dir gesagt hat, mit allem, was du bist und allem, was du (nicht) hast. Wenn man DAS ALLES bedenkt, solltest du anfangen und ihr eine drei Meter hohe Statue von ihr im Vorgarten errichten. DAS wäre mal angebracht. Das will allerdings auch keiner und schon mal gar nicht Sie. Ihr reicht dein Glück und ein "Ja, mach' ich, Mama!"

Mütter sind die Fleisch gewordene Nächstenliebe. Oder die wohl schönste Form des Wahnsinns.

Wer fährt schon gerne neun Monate lang eine Hormonachterbahn der höchsten Güte, inklusive Übelkeit, Gewichtszunahme im biblischen Ausmaß (klar, nicht alle, aber möglich immerhin!!), um dann am Endbindungstag unter den Anfeuerungsrufen des Partners die "no pain no gain" - Schmerzen durchzuhalten, ohne Garantie, ob sich das kleine Wesen, das sich seinen Weg in die Welt bahnt, als Typus "Gutmensch" ab Geburtsstunde 0 oder Sorgenkind auf Lebenszeit entpuppt. Eine Mutter würde dazu nur sagen: "Hauptsache: gesund!"

Und das ist das faszinierende und wunderbare an Müttern. Es ist alles egal. Wie groß, dick, dünn, lang oder kurz du geraten bist. Was du alles an Chancen genutzt und vor allem nicht genutzt hast. Mama ist da und wird immer da sein. Und sie liebt und nimmt dich so an, wie du bist. Und jetzt denk' nochmal ganz scharf nach, ob du mit Fug und Recht behaupten kannst, es gibt noch einmal einen Menschen auf der Welt, von dem du all das eben Genannte sagen kannst.

Deswegen ist dieser Tag im Mai eine gute Institution und sollte als Denkmal für uns alle gelten, die zu gerne vergessen, dass es zwar selbstverständlich für Mütter ist, Mütter zu sein. Aber dass es nicht selbstverständlich für uns ist, eine so unerschöpfliche Großherzigkeit täglich zu bekommen. Einfach so.

Immerhin einmal im Jahr hat man die Gelegenheit, ohne jeden Scham und jegliche Angst vor "Coolness"-Verlust sagen zu können: "Danke Mama, ich hab dich lieb'!" Und diese Chance sollte jeder nutzen. Und das eigentlich gestern schon.



Ich werde jetzt die beste Mama der Welt anrufen und ihr sagen, wie gern ich sie habe. Und ihr solltet das Gleiche tun.









Donnerstag, 19. März 2015

"Was für eine Tort(o)ur!" - oder: Home is where the hotel room is





Liebe Weltenbummler und Teilzeitreisende,


wir schreiben den 15. März 2015, Sonntag, 23:00 Uhr, Hamburg Altona. Ich komme mit zwei Händen voll Gepäck an der meinigen Adresse an (aus Datenschutzgründen darf diese hier nicht genannt werden), suche leicht schwindelig meinen Nachnamen bei den Klingelschildern, hole mit dem Zeigefinger aus und klingele bei mir im ersten Stock. Anmerkung: Ich lebe seit einem Jahr glücklich in einer WG mit einem Klavier und einer Ukulele zusammen in unserem 2-Zimmer-Palast. Ich fühle mich sehr wohl da. Was ich damit sagen will: Ich habe gerade bei mir zu Hause geklingelt und gewartet, dass ich mir selber die Tür öffne. Blöd nur, dass ich draußen stand. Gott sei Dank mit Schlüssel und anscheinend mit einem erheblichen Sprung in der Schüssel. 

Aber ich glaube, meine kurzzeitige geistige Umnachtung kann nur einen plausiblen Grund haben. Nämlich die Tatsache, dass ich für knapp drei Monate fast täglich meine Behausung gewechselt habe. Keine Sorge, obdachlos bin ich ganz und gar nicht. Es ist ein akuter Zustand, der bei jedem zweiten Künstler mindestens einmal im Arbeitsleben auftritt. Darstellerdasein in einer Tourproduktion.

Um es den Kollegen, die an festen Theaterhäusern engagiert sind, und den anderen Normalsterblichen zu verbildlichen, was das Tourleben so mit sich bringt, hier ein kleiner Einblick in den ganz normalen, tagtäglichen Wahnsinn:

08:10 Uhr 
Wir Darsteller kommen ja meist nicht aus der gleichen Stadt, noch nicht einmal aus dem gleichen Bundesland. Nein, wir karren alle aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen an einen besagten Aufführungsort. Besagter Aufführungsort befindet sich meistens nicht um die Ecke, also heißt es "Morgenstund' hat Blei im Mund" und frisch um acht Uhr in die Morgen-Rush-Hour durch Hamburg gen sonstwo. Natürlich wird uns ein Wagen gestellt und natürlich fährt einer der Schauspieler. Vielleicht drei, gerne aber auch mal fünf Stunden bis zum Ziel. Alternativ kann man auch den Nachtbus nehmen und taufrisch etliche Stunden zu früh an Ort und Stelle sein. Kaffee nicht mit inbegriffen.

12:55 Uhr 
Wir sind gut durchgekommen, inklusive einer obligatorischen Pipi-Pause und jetzt, zwei Stunden vor Showbeginn, stehen wir pünktlich auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Soundcheck und Bühnenbesichtigung. Das dauert mit etwas Übung gute 15 Minuten. Dann kann man sich noch knappe eineinhalb Stunden langweilen. Die Damen schminken sich immerhin, um die Zeit zu überbrücken, die Herren schlagen Zeit tot, indem sie rauchen, essen, rauchen, Whats App Nachrichten versenden, Facebook nach dem Sinn des Lebens durchforsten, rauchen.

15:03 Uhr 
Vorstellungsbeginn. Aufregung pur. Man hat's ja erst 47 mal gespielt. Pluspunkt: Heute keine Doppelshow. Da kann man sein ganzes Herzblut auf einmal rauslassen.

17:10 Uhr 
Vorstellung vorbei, mit viel Spaß und einem tollen Publikum. Autogrammstunde und Fotos sind auch erledigt. Feierabend. Also fast. Jetzt noch abschminken, Kostüme ins Auto räumen und dieses zum nächsten Hotel auf der Übernachtungsliste fahren. Selbst.Verständlich.

18:35 Uhr 
Immernoch unterwegs und die obligatorische Frage in den Raum geworfen: Essen gehen oder etwas aus dem Supermarkt holen. Dabei sind mehrere Faktoren entscheidend:
1. Hat die Ortschaft, wo wir nächtigen genug Einwohner, um sich ein eigenes Esslokal zu leisten?
2. Wenn ja, welche internationale Küche wird kredenzt und hat man schon wieder Bock auf Pizza?
3. Wie viel Geld habe ich eigentlich noch?
Meistens entscheiden wir uns aufrgrund von Punkt 3 für die Supermarkt-Variante und es geht auf die Suche nach einem bestimmten Discounter, der sich wirklich lohnt, weil es da so tolle Fertigsalate gibt. 

19:40 Uhr 
Gewünschter Discounter gefunden. Leider nicht mehr genügend Salate da für eine anständige Salatparty. Leider kein Einzelfall, weil es wirklich tolle Fertigsalate sind. Naja, dann zur Abwechslung mal wieder ein Laugenbrötchen mit Kräuterquark, eine Banane, Kirschtomaten und Äpfel. Das hatte ich ja bestimmt schon zwei Tage nicht mehr gegessen... Und ich esse das wirklich gerne und nicht nur weil es handlich und Tour taugliche Nahrung ist. Aber heute gönne ich mir mal ausnahmsweise was. Eine Tafel Schoki und Studentenfutter. Sündentag!

20:14 Uhr 
Ankunft am Hotel und pünktlich zur Primetime die tägliche Diskussion, wer mit wem ins Doppelzimmer geht. Die Herren sind zu zweit und haben damit keine große Auswahlmöglichkeit. Es heißt wieder: Damenwahl. Es wird eine Konstellation schlussendlich gefunden, ein Zimmer zum Wohn-/Esszimmer erkoren und dann wird zusammen im Schlafanzug diniert. Groß auspacken lohnt ja sowieso nicht, man bleibt ja eh nur für eine Nacht. Es wird viel gelacht, geschwatzt, gegenseitig am Essen schnabuliert und über den Bachelor oder das Dschungelcamp diskutiert, was leise im Hintergrund mitläuft. Wie schön, dass wir alle so gesellig sind und uns so gut verstehen. Da wird so ziemlich alles mit Humor genommen und sich gegenseitig die Taschentücher gereicht, falls es dann doch mal reicht. Insider gibt es zuhauf, es wird im Gestern geschwelgt, man lässt das Heute Revue passieren und schmiedet Pläne für morgen. Hier und da ein Lied geträllert, weil wir ja nie genug von der Kunst kriegen können und weil wir uns und den Moment genießen wollen... Es schweißt schon sehr zusammen.

01:34 Uhr 
Es ist wieder mal spät geworden. Die letzten Nachteulen verlassen das Partyzimmer und lesen vielleicht noch ein Kapitel auf ihrem Kindle. Dann wird aber auch geschlafen. Schließlich geht die Reise morgen früh ja schon weiter. Auf, zur nächsten Vorstellung, an einem anderen Ort. Aber erstmal um halb zehn frühstücken. Wer weiß, vielleicht gibt es dieses Mal sogar ein Frühstücksei. Das wäre mal was!





Samstag, 28. Februar 2015

Tanz dich frei mit Foxtrott!



Gestatten Sie?

 

Liebe Tanzmuffel und Bewegungshorsts,


dumm rumstehen und im Takt nicken war gestern.

Nicht nur das weibliche Geschlecht schätzt ein bisschen Taktgefühl und es ist noch kein Fred Astaire vom Himmel gefallen. Eine Bewegungsrevolution in den örtlichen Discotheken ist sowieso schon längst überfällig und von nervigem "von-hinten-ranbaggern" hat zumindest Frau die Nase ziemlich voll.

Der klassische Foxtrott gehört zu den beliebtesten Tanzrichtungen und ist vielseitig einsetzbar. So macht der etwas jugendlichere Disco Fox nicht nur alle Helene Fischer Songs erträglich. Wer es ruhiger angehen will, wählt eher einen Slow Foxtrott. Slow, aber dafür umso mehr Flow.

Also, warum sich nicht ein paar frische Dance Moves draufschaffen, und die Damenwelt nicht nur am Abschlussball beeindrucken?

Wer nicht das nötige Kleingeld für einen Basic Foxtrott Kurs über hat, der soll nicht verzagen. Abhilfe schafft dieses YouTube Juwel, komplett mit Grundschritten und Live Musik!
Und den "Twist" gibt es als Extra noch obendrauf, beziehungsweise hintendran.

 


Viel Spaß beim Tanzbein-Schwingen!








P.S.: Frische tanzbare Foxtrott-Songs zum Üben gibt es regelmäßig hier oder auf facebook!




Samstag, 21. Februar 2015

"Was'n das für 'ne Pfeife?" - oder: Céline Dion klang nie schlimmer

 

 

Liebe Musikfreunde, 


noch ein knapper Monat bis zum offiziellen Frühlingsanfang. Die Sonne wärmt schon zaghaft die Wangen, man bekommt Lust, ein Eis zu schlecken und überall spitzen die Krokusse vorsichtig aus der Erde. Es könnte so schön sein, das Frühlingserwachen.
Aber es sprießen auch noch andere Gewächse, ein Unkraut, in Klein - und Großstädten, eine regelrechte Plage. Es ist die Zeit des Jahres, wo sie zurückkehren wie Zugvögel aus den warmen Überwinterungsgebieten im Süden.

Wochenende in einer fränkischen Metropole. Man war lange nicht hier, lecker Klöße von Mama und anschließend ein kleiner Schaufenster-Bummel in der Innenstadt. Und da, eine altbekannte Melodie, die die Menschenmenge durchbricht. Meine Freude hält sich in Grenzen. Ich weiß, was jetzt kommt. 
Wir erreichen den Marktplatz und da stehen sie. Ponchotragende Indianer, die mit ihrem Panflöten-Gedudel einen Umkreis von drei Kilometern beschallen. Und immer, aber auch immer spielen sie "My heart will go on" von Céline Dion. Oder "What a wonderful world" von Louis Armstrong, was noch viel schlimmer ist. Ich meine, "Titanic" und der dazugehörige Soundtrack ist von jeher nicht mein Favorit gewesen (und da wird sogar Panflöte gespielt), aber Louis Armstrong?! AAAAHHHH! 

Generell zerstört die Panflöte jedes Lied, egal welches Genre, welche Epoche, ob Meisterwerk oder Mittelmaß, JEDES Lied! Die würde es sogar schaffen, Queen wie eine Lachnummer wirken zu lassen. 

Gut, man kann Zuflucht im naheliegenden Buchladen finden und vor der Lärmbelastigung vorübergehendes Asyl erhalten. Es stellen sich mir aber trotzdem immer die selben Fragen, wenn ich diese (Achtung: Wortwitz!) Pfeifen sehe.

1. Wo kommen die eigentlich her?
    Vor allem, weil das immer die gleichen Leute zu sein scheinen. Das ist in jeder Stadt immer die selbe Truppe. Immer drei bis vier Menschen, die mit Mikrofon ausgestattet die Bevölkerung mit dem ein und dem selben Lied belästigen. Womit sich folgende Frage gleich anschließt:

2. Wie kommen die so schnell von einer Stadt zur nächsten?
    Angenommen, das sind wirklich immer die gleichen drei bis vier Menschen, wie reisen die so schnell mit ihren Panflöten von A nach B? Haben die einen Special Deal mit einer Fluggesellschaft und warum sind die immer in der Stadt, wo ich mich gerade zur selben Zeit aufhalte? Haben wir eine magische Anziehungskraft? Ist es ein Fluch, der auf mir liegt? Sind es am Ende doch Klone und was haben die Illuminaten damit zu tun? Und...

3. Wer zur Hölle kauft diese CDs?
    Anders gefragt: Gibt es auf dieser Welt nur einen Menschen, der ernsthaft gerne die Panflöten-Version von "My heart will go on" hört? Gibt es nur einen Menschen, der nicht innerlich tot ist, der sich ernsthaft ein ganzes "Best Of: Panflöte"- Album von denen mitnimmt und das in seiner Freizeit auflegt?



Ich würde es wirklich gerne wissen. 




P.S.: Infos und Hilfe unter www.anonyme-panfloeten.de

"Pas de un" - oder: Ein guter Tag zum Tanzen

 

 

nach einer wahren Begebenheit


Es ist 4 Uhr früh. Ich komme von einer mehr oder weniger durchzechten Nacht nach Hause.
Ich war tanzen. Allein. Mit mir selbst.

Man kennt das: Samstag Abend und alle Kollegen und Freunde sind anderweitig beschäftigt. Das Wetter lädt auch nicht gerade zum Ausgehen ein (Hamburg halt). Und trotzdem. Ich kann mir doch selbst kein Hausarrest aufbrummen, nur weil ich keine Feierbegleitung habe.

Überwinde die Trägheit, raff dich auf. Nix hier mit Sitzfleisch ansetzen!
Stattdessen: Richte dein hübsches Gesicht, ziehe dir was nettes über und schwing deinen Knackarsch in das nächstbeste Tanzlokal. Dieser Luxuskörper braucht Auslauf!

Zugegeben: Zunächst weiß man nicht so recht, was man mit sich anfangen soll. Große Selbstgespräche kannst du hier nicht führen (schon allein, weil die Musik so laut ist). Also erstmal an die Bar und ein Bier gezischt.
Unabdingbar für das Solo-Tanz-Vergnügen: Gute, tanzbare Musik. Und dieser Schuppen haut einen Hammer nach dem nächsten raus. Ich bin noch etwas zögerlich und groove gemächlich am Tanzflächenrand vor mich hin. Doch das Bier zeigt schnell seine Selbstbewusstsein steigernde Wirkung und ich tummele mich wenig später in der Mitte der Tanzfläche unter allen Tanzwütigen und mach' mein Ding.Das könnte eigentlich das Motto dieses Abends sein. "Scheiß' drauf, ich kann's auch allein!"

Klar, in Gesellschaft von Freunden ist es natürlich ein noch größeres Fest, sich ab zu feiern, aber es funktioniert eben auch so. Und das ist eine wunderbare Erkenntnis.
Ich bewege mich frei ohne "Ich würde gerne mal eine rauchen. Gehst du mit?", wenn gerade der beste Track gespielt wird und du natürlich als gute Freundin etwas zähneknirschend mitgehst.
Genauso erhöhen sich die Chancen auf einen kleinen Flirt oder leichter angesprochen zu werden, wenn man nicht als Wolfsrudel auftritt. Die Garantie, dass dann auch was Annehmbares dabei ist (von Prinz Charming ganz zu schweigen) ist natürlich nicht gegeben, aber darum geht's ja auch in erster Linie gar nicht.
Und wenn du schließlich Heim gehen willst, dann gehst du Heim, ohne Diskussion "Warum denn jetzt schon?" oder Gewissensbisse.

Und so war es auch. Ich tanzte und tanzte mir die Seele aus dem Leib. Kurze Pause, noch ein Bier, zwei, drei potenzielle Flirtkandidaten, die sich als Flop rausstellten, "Egal", wieder tanzen.
Um halb vier dann die Erkenntnis: "War toll, bin müde, ab nach Hause."

Ich lief durch ein menschenleeres Hamburg und fühlte mich wunderbar. Ich bin jung, frei und habe nur dieses Leben. Warum sollte man dann am Samstag Abend zu Hause sitzen?

Sich selbst auf ein Bier einladen und mit sich selbst das Tanzbeinschwingen ist eine schöne Sache und ich kann nur jedem zur Nachahmung raten.

Das nächste Mal nehme ich aber wieder meine Freunde mit.